„Einseitige“ Presse

Leserbrief auf einen Artikel im Odenwälder Echo, welcher wohl nie veröffentlicht wird.

Betreff: Artikel „Platz für die Windräder am Kahlberg“

Sehr geehrter Herr Sterzelmaier,

ich habe heute Ihren Bericht im Odenwälder Echo vom 23.02.2017 „Platz für die Windräder am Kahlberg“ und Kommentar zu den Arbeiten am Kahlberg gelesen. Ich bin es ja von der „Echo“ Seite gewohnt, dass über die Windkraft positiv berichtet wird, auch wenn eine Unmenge an Fakten gegen viele Projekte sprechen.

In Ihrem Bericht schreiben Sie dass die Gemeinde Mossautal jetzt noch juristisch stoppen möchte. Hierzu sei gesagt:

Die Gemeinde Mossautal hat sich schon früh nach Kenntnisnahme aus Trinkwasserschutzgründen GEGEN den Bau der Windanlagen auf dem Kahlberg ausgesprochen. Der jetzige juristische Klageweg ergibt sich aus der zeitlichen Abfolge der Genehmigungsbescheide.

Der Bürgermeister Ohlenschläger weist einen Vorwurf gegen den Verstoß gegen die Baugenehmigung zurück. Und erklärt „Wir halten uns an Recht und Gesetz“. Ausgerechnet der Mann, welcher für seine postfaktischen Behauptungen und dreisten Lügen sich bei den Bürgerinitiativen einen „Namen“ gemacht hat. Das Verwaltungsgericht Darmstadt hat gestern Mittag das beklagte Land Hessen aufgefordert die Arbeiten am Kahlberg einstellen zu lassen!  Die Gemeinde Mossautal und die Bürgerinitiativen sehen eklatante Mängel in der Genehmigung des Sofortvollzuges! Die Auflagen welche in der Baugenehmigung angeordnet wurden, sind dem Betreiber anscheinend zu hoch. Die Anforderungen des Brandschutz und der Schutz des Trinkwassers wurden von Seiten des Projektierers EnBW beklagt! Das RP hat dann eine Ausnahme gerade für den Trinkwasserschutz Mossautals in den Sofortvollzug geschrieben. Eine der Begründungen warum der Sofortvollzug vom RP genehmigt wurde ist, die Tatsache, dass wenn die Windkraftanlagen nicht schnellstmöglich gebaut werden, nach §46a EEG 2017 eine mehrstufige Absenkung der Einspeisevergütung von insgesamt  8,6% bis 01.08.2017 und weitere Absenkungen in Abhängigkeit vom vorangegangenen Zubau erfolgen. Diese Tatsache rückt den Tenor Ihres Berichtes, welcher sich ja offensichtlich auch auf die Gemeindekasse Mossautals abzielte, in ein anderes Licht. Es kann nicht sein, dass das RP Darmstadt sich in seinen Abwägungen um das finanzielle Wohl eines Unternehmens aus Baden-Württemberg mehr Gedanken macht und dies berücksichtigt als das Wohl seiner Bürger und um den Schutz seines Trinkwassers!

Im Übrigen lassen Sie sich mal von den Bürgermeistern aus Fürth und Grasellenbach schriftlich bestätigen, dass der tatsächliche Betrag für die Verpachtung des Geländes an einer WKA 60.000 Euro beträgt, wie so oft von den Herren suggeriert. Nach unserem Kenntnisstand sind die Zahlungen deutlich niedriger und an Gewinn und Ertrag gekoppelt.

EnBW, spielt bei dem Drama eine gewichtige Rolle. Mit der finanziellen Übermacht und dem Heer an Anwälten gleicht das Ganze an dem Kampf „David gegen Goliath“. Es ist schon sehr befremdlich, dass die Gemeinde welche sich kritisch gegenüber dem Bauvorhaben stellt, von der Planung gänzlich ausgeschlossen ist. EnBW hat sich mit falschen Behauptungen gegenüber dem RP den Sofortvollzug nahezu erschlichen. Natürlich spielt die unkritische Haltung von Seiten des RP dem Ganzen zu. Hätte doch die ein oder andere Nachfrage zu den Behauptungen von EnBW, die Genehmigung zum Sofortvollzug doch nie erlassen werden können.

Warum der ausgerechnet der Kahlberg als Standort gewählt wurde, der ja nicht nur die Quelle von Mossautal speist, sondern auch Trinkwasser für Ober-Ostern, Weschnitz und Hammelbach liefert liegt auf der Hand. Er liegt außerhalb der Sichtweite von Fürth und einem Großteils von Grasellenbach. Dieselben Bürgermeister, welche vehement gegen andere Standorte von Windkraftanlagen in Ihrem Gemeindegebiet sind, haben in dem Kahlberg einen Platz gefunden der schön weit weg und somit aus dem Sichtfeld der eigenen Gemeinde ist.

Die Gemeinde Mossautal hat in erster Linie den Schutz des Trinkwassers für ihre Bevölkerung im Blick. Die Hildegeresquelle liegt direkt am Kahlberg und existiert dort nachweislich seit über 1250 Jahren. Das nun der Bürgermeister aus Grasellenbach Markus Röth behauptet die Quelle liegt nicht im Abflussbereich des Kahlberges, zeigt einmal mehr die dreiste Art Lügen zu verbreiten und Fakten bewusst zu ignorieren. Daselbst die Quelle nicht auf dem Gemeindegebiet von Grasellenbach liegt, hatte der Bgm. Röth doch Zeit genug sich mit „seinem“ Projekt zu befassen. In den relevanten Unterlagen findet man den Bezug und der Lage der Trinkwasserquelle schnell und einfach. Glaubt Herr Röth in Mossautal fließt das Wasser bergauf?!

Nicht gerodet, nur gefällt

Wer die Bilder des Kahlberges sieht oder sich vor Ort erkundigt, wird auf diese Wortspielereien nicht reinfallen. Da wohl auch bei den „Fällungsarbeiten“ einige Wurzelstöcke ausgerissen wurden (Beweisbilder und Zeugen liegen vor) kann man auch nach der Lesart von EnBW von einem Baubeginn sprechen. Der Baubeginn ist mit einigen Auflagen verbunden, welche NICHT eingehalten wurden. Soviel Ignoranz macht einen Sprachlos. Fällt der normale Bürger in seinem Vorgarten einen Baum ohne sich an Auflagen und Vorschriften zu halten, schlägt der Arm des Gesetzes durch die Behörden mit voller Wucht zu. Würden die Strafen für EnBW im Verhältnis zu denen für einen normalen Bürger stehen, wäre dies auch für so einen großen Konzern schmerzhaft. Aber wie bisher an anderer Stelle gesehen, werden Strafen meist aus der „Portokasse“ beglichen.

Bleibt zum Schluss nur noch zu erwähnen. Die Bauarbeiten am Kahlberg gehen mit enormer Geschwindigkeit weiter. Man spielt auf Zeit. Sogar nachts unter Scheinwerferlicht wird gearbeitet um schnellstmöglich Fakten zu schaffen. Die Polizei zeigt zwar Verständnis verweist aber in der Zuständigkeit auf das RP in Darmstadt. Dort gibt man sich uninformiert. Verweist in den Zuständigkeiten von einem Büro zum anderen und an entsprechender Stelle angekommen verlangt man erst mal das Aktenzeichen um dann mitzuteilen, dass noch kein Schreiben vorliegen würde. Schlimm, wenn man Kenntnis davon hat, dass Unterlagen schon bei den Genehmigungsverfahren immer mal wieder „verlegt“ wurden und erst nach entsprechenden Genehmigungen aufgetaucht sind.

Sollten Ihnen bei Ihren Recherchen, die entsprechenden Schriftstücke und Beweise fehlen, so dürfen Sie gerne bei mir nachfragen. Ich bin gerne bereit Ihnen und Ihren Kollegen Auskunft zu erteilen und diese auch zu belegen. Ich hoffen noch auf Ihre journalistische Unabhängigkeit und möchte nichts unversucht lassen die Wahrheit an die Öffentlichkeit zu bringen.

Der Bericht im Echo hat eine Unmenge an Reaktion erzeugt. Etliche Leserbriefe wurden an die Redaktion des Echo gesendet. Wir werden sehen, ob diese ungekürzt oder „redaktionell“ gekürzt und Sinn verfremdet wiedergegeben werden. Wahrscheinlicher ist, dass diese erst gar nicht veröffentlicht werden. Soviel zum Thema unabhängiger Journalismus….

Anbei zwei Bilder welche Heute am 23.02.2017 um 10:30 Uhr auf dem Kahlberg gemacht wurden.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Voigt
64756 Mossautal

 

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