Presseerklärung – Brutvorkommen Schwarzstorch am Kahlberg

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Presseerklärung

Wie jedes Jahr, ist im April der Schwarzstorch wieder zum Kahlberg zurückgekehrt. Aktuelle und zahlreiche Sichtungen widersprechen den Behauptungen des Regierungspräsidiums, dass sich im Bereich Kahlberg kein Habitat des gefährdeten, streng geschützten, Schwarzstorches befindet.

Dies findet sich auch in den Studien von Dirk Bernd und MUNA e.V. zum Schwarzstorch im Odenwald von 2017 und 2018 wieder, welche eindrucksvoll belegen, dass das Windindustrieprojekt am Kahlberg einer artenschutzfachlichen Katastrophe für den Schwarzstorch gleichkommt.

Erst kürzlich konnten gleich drei Horste des seltenen Schwarzstorchs im Prüfbereich der Windindustrieanlagen am „Kahlberg“, die derzeit vor ihrer Inbetriebnahme stehen, nachgewiesen werden. Insbesondere die aktuellen Bruterfolge der Revierpaare sind ein toller Erfolg – bei den meisten Paaren sind die Jungen geschlüpft und z.T. schon 2 Wochen alt.

Die bereits in 2016 und 2017 dokumentierten Beobachtungen haben bereits 2-3 Revierpaare im Bereich des Kahlberg nachgewiesen und auch die in 2018 weiterführenden Beobachtungen bestätigen dies.
Die Wälder rund um den Kahlberg stellen somit nachweislich einen unverzichtbaren Lebensraum für den seltenen und streng geschützen Schwarzstorch dar.

Mit den vorliegenden Fakten kann auch die Aussage des Gutachters von EnBW, Herrn Dr. Winkler widerlegt werden – offensichtlich sollten hier heimische Störche zu Gaststörchen aus der Region Würzberg erklärt werden, um den Bau der Windindustrieanlagen ungestört und gegen artenschutzrechtliche Bedenken ungehindert vorabtreiben zu können. Offen blieb bei dieser These jedoch immer die Überprüfung durch Dr. Winkler, ob die Schwarzstörche aus Würzberg tatsächlich Richtung Kahlberg fliegen.

Ferner wird aber die Aussage gerne dazu genommen, um an weiteren Orten von Windkraftanlagen (WKA)-Vorhaben zu behaupten, dass dort auch nur Gaststörche von anderen Orten zu sehen wären. Hier drängt sich geradezu die Frage auf, was die Gutachter der Windindustrie zu der Planung in Würzberg schreiben werden – Gaststörche vom Stillfüssel oder Kahlberg?

Die Funktionsräume der Schwarzstorchbrutpaare sind durch die WKA verstellt und die regelmäßig  beflogenen  Nahrungshabitate, wie  Streitbach  und  Weschnitz und Schmerbach sind  hiervon betroffen,  so  dass  spätestens  mit  Inbetriebnahme  der  Anlagen,  mit  der  Verwirklichung  der Verbotstatbestände der Naturschutzgesetzgebung, hier § 44 BNatSchG Abs. 1 Nr. 1und Nr. 2  auch  für  dieses Jahr gerechnet werden  muss.

Das Brutgebiet des Schwarzstorches am Kahlberg hat somit eine landesweite  Bedeutung für die gefährdete, streng geschützte Art, deren Erhaltungszustand in Hessen als ungünstig eingestuft ist.

Die BI-Kahlberg sieht in der neuerlichen Dokumentation drei brütender Revierpaare einen eindrucksvollen Nachweis des Schwarzstorchvorkommens im nahen Umfeld des Kahlberges.

Unter dem Aspekt des Artenschutzes kann nun endgültig niemand mehr ignorieren, dass das Weschnitztal, Mossautal und Ostertal ein wichtiges Habitat des Schwarzstorches darstellt.

Die Inbetriebnahme der WKA-Kahlberg würde die Tötungsgefahr für die Schwarzstörche, insbesondere für die jungen Schwarzstörche signifikant erhöhen.

Die bisherige Argumentation der Windkraftprojektierer, dass der Schwarzstorch am Kahlberg nur ein durchreisender Gast wäre, kann mit sehr vielen eindrucksvollen Bildern und zahlreichen Berichten seit Genehmigung der WKA Ende 2016 eindeutig widerlegt werden.

Weiterhin steht die Frage im Raum, ob die Gutachten des Betreibers gewissenhaft geprüft wurden oder ob hier fahrlässig Gesetzesverstöße hingenommen wurden.

Die BI-Kahlberg vertritt weiterhin die Meinung, dass eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich gewesen wäre. Stattdessen erlaubte man aber den Sofortvollzug, um den Betreiber vor finanziellen Nachteilen durch sinkende staatliche Zuschüsse zu bewahren.

Seit den vorgenommen Rodungen, die auch den Habitatsbestand gefähren, sollte jedem verantwortungsbewussten Menschen bewußt geworden sein, dass die fünf Windkraftanlagen auf dem Kahlberg und die weiteren geplanten WKAs im nahen Umkreis zu Stotz, Range, Lärmfeuer und Morsberg artenschutzrechtlich völlig unvertretbar sind.

„Wenn der Artenschutz noch irgendetwas gelten soll in diesem Land, dann müsste jetzt die anlaufende Inbetriebnahme der Windkraftanlagen am Kahlberg sofort gestoppt werden, um den Bestand der sich hier angesiedelten und streng geschützten Schwarzstörche nicht zu gefährden“ so Nina Pohlmann, aktives Mitglied der BI Kahlberg.

Die BI-Kahlberg wird sich weiter mit voller Kraft für den Natur- und Artenschutz einsetzen und unterstützt die laufende Klage der IHO zu der unzureichenden UVP und zur Wahrung des Artenschutzes.